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Der letzte Prinzipal hat sich verabschiedet

Walter Ullrich gibt nach 40 Jahren Leitung des Schlosstheaters Neuwied in jüngere Hände

Von Andreas Pecht

Walter Ullrich nach einigen „Faust“-Szenen bei der Abschiedsgala im Neuwieder Schlosstheater. Der letzte Vorhang? Foto: Schlosstheater Neuwied

Walter Ullrich, Hannes Houska, Jochen Heyse: Das waren die Theaterprinzipale, die Ende des vergangenen Jahrhunderts zeitgleich über viele Jahre das professionelle Bühnengeschehen in der Mittelrheinregion prägten. Alte Schule, dominante Persönlichkeiten alle drei – Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Intendanten in einer Person. Das kennt man in der deutschsprachigen Theaterwelt heute kaum noch. Houska starb im Februar 2012 im Alter von 80 Jahren, hatte von 1975 bis 1996 als Intendant die Geschicke des städtischen Theaters Koblenz bestimmt. Auch Heyse weilt schon länger nicht mehr unter den Lebenden. Er starb ein Jahr nach Houska 83-jährig, hatte von 1988 bis 2004 die Leitung der Burgfestspiele Mayen innen. Der Dritte im Bunde allerdings, Walter Ullrich, erfreut sich noch seines irdischen Daseins, war bis eben Intendant des Kleinen Theaters Bad Godesberg und zugleich der Landesbühne im Schlosstheater Neuwied. Jetzt erst, im schon 88. Lebensjahr muss er nach gut 60 Jahren sein Godesberger Privattheater aufgeben und hat dieser Tage nach 40 Jahren die Leitung des Neuwieder Theaters in die jüngeren Hände von Lajos Wenzel überantwortet.

Der letzte Prinzipal hat sich verabschiedet

Weltweit angesehen: das Gitarrenfestival Koblenz

Im jetzt 27. Jahrgang (2. – 10. Juni) wird Wolf Biermann mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Von Andreas Pecht

 

Liedermacher und Gitarrist Wolf Biermann wird in Koblenz den Ehrenpreis des Festivals entgegen nehmen.

Liedermacher und Gitarrist Wolf Biermann wird in Koblenz den Ehrenpreis des Festivals entgegen nehmen.Seit den frühen 1990ern gibt es in Koblenz alljährlich ein Ereignis, von dem die breite Öffentlichkeit daheim zwar nur wenig Notiz nimmt, das aber in einem speziellen musikalischen Fach weltweit höchstes Ansehen genießt: das International Guitar Festival & Academy. Im jetzt 27. Jahrgang belegt das Festival im Juni eine gute Woche lang (2.6. – 10.6.) die gesamte Rhein-Mosel-Halle sowie das Kurfürstliche Schloss. Dann kommen wieder Gitarristen vornehmlich der klassischen und jazzigen Richtung aus rund 50 Ländern nach Koblenz, um zu lehren, zu lernen und zu konzertieren. Darunter finden sich renommierte Groß- und Altmeister aus dem Zupf-Fach, die hier mit den hoffnungsvollsten und besten Nachwuchstalenten zusammenkommen. Etwa 200 junge Gitarristen nehmen an den Meisterkursen und Workshops des Festivals teil, lernen dort von drei Dutzend hochkarätigen Dozenten. Insgesamt 26 Konzerte bietet das Festival der interessierten Öffentlichkeit – von den Beiträgen zum Wettbewerb des Festivals über Solorecitals etwa Manuel Barruecos, Marcin Dyllas, David Russells und anderen bis hin zu groß besetzten Nachmittags- und Abendkonzerten.

Weltweit angesehen: das Gitarrenfestival Koblenz

25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn

Am Anfang stand die Sorge um den Fortbestand des Gülser Musik- und Kleinkunst-Clubs

Von Andreas Pecht

 

(Von links) Frank Tiedemann, Saskia Scherhag-König, Berti Hahn. Foto: PechtIm Besprechungszimmer des „Café Hahn“ zu Koblenz-Güls stecken einige Leute die Köpfe zusammen. Zwei Plakatentwürfe werden diskutiert und verworfen. „Der Farbkontrast zwischen Hintergrund und Schrift ist zu schwach“, wird bemängelt. Oder: „Zu viele pisselige Infos drauf; das ist kein Flyer, sondern ein Plakat; das Wichtigste muss im Vorbeifahren erfassbar sein.“ Und: „Die zentralen Stichworte müssen mehr in den Fordergrund: 25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn – Jubiläumsfestival auf der Festung Ehrenbreitstein – 1. September – Eintritt frei.“ Ich bin zufälliger Beobachter dieser ebenso freundlich wie zielorient verlaufenden Fünf-Minuten-Szene. Danach Umschalten auf den eigentlichen Anlass der Zusammenkunft: Gespräch mit Saskia Scherhag-König, Frank Tiedemann und Berti Hahn, jenem Trio, das heute an der Spitze des Fördervereins Kultur im Café Hahn steht. Wir bleiben beim Thema: dem Vierteljahrhundert-Jubiläum eben dieses Vereins.

25 Jahre Förderverein Kultur im Café Hahn

WAS EINER ALLEIN NICHT SCHAFFT, SCHAFFEN VIELE

Kultursommer Rheinland-Pfalz 2018 steht unter dem Leitmotto „Industrie-Kultur“

Von Andreas Pecht

 

Um auf dem Neuwieder Luisenplatz beim Start des Kultursommer Rheinland-Pfalz (27.4. bis 29.4.) unter Anleitung des französischen Künstlers Olivier Grossetête ein riesiges Haus aus Pappkartons aufzubauen wird dieses Mädchen viele helfende Hände brauchen. Foto: KuSo/Sebastien LavalEs hat ein gescheiter Kerl oder ein kluges Weib über den ersten Text – nach dem obligaten Grußwort des Landeskulturministers – im Programmheft für den Kultursommers Rheinland-Pfalz (KuSo) 2018 diese Überschrift gesetzt: „200 Jahre Reben und Rüben: in Glas gepresst, in Stein gemeißelt, in Stahl gegossen und auf dem Rhein verschifft.“ Die augenzwinkernde Headline erfasst schön das Problem des Landesfestivals mit seinem diesjährigen Leitmotto, das da heißt: „Industrie-Kultur“. Zu 40 Prozent mit Wald bedeckt, die übrige Landfläche zu beträchtlichen Teilen für Wein- und Gemüseanbau verausgabt, ist Rheinland-Pfalz nunmal ein weithin agrarisch und ländlich geprägtes Bundesland. Der Mangel an echten Großstädten ist signifikant. Die vier, die wir de jure haben, sind de facto doch ziemlich klein. Koblenz und Trier krebsen an der 100 000er-Marke rum. Die zweitgrößte, Ludwigshafen, ist mit ihren 164 000 Einwohnern eher eine BASFWerkssiedlung. Und Mainz versprüht mit seinen knapp 210 000 Einwohnern auch nur deshalb etwas Großstadtflair, weil es mit Wiesbaden und Frankfurt zusammen einen urbanen Ballungsraum bildet.

WAS EINER ALLEIN NICHT SCHAFFT, SCHAFFEN VIELE

Stadthalle Boppard nimmt wieder Fahrt auf

Begegnung mit Rolf Mayer, der 2016 das Café Hahn verließ und Hallenmanager wurde
Von Andreas Pecht

 

Sind seit Anfang 2016 ein schlagkräftiges Gespann: der Bopparder Stadthallenmanager Rolf Mayer (rechts) und Hallenmeister Alexander Brauer. Foto: Suzanne Breitbach„Nun komm schon! Den Rest schaffst du auch noch!” Auf dem obersten Absatz im Treppenhaus der Stadthalle Boppard steht der „Manager” dieser Veranstaltungslocation im Zentrum der Rhein- und Weinstadt. Mit verschmitztem Grinsen im gutmütigrundlichen Gesicht schaut er dem von unten heranschnaufenden Besucher entgegen. Ich bin verabredet mit Rolf Mayer. In dessen Händen liegen seit 2016 die Geschicke dieser Stadthalle und damit eines nicht unwesentlichen Teils des Bopparder Kulturlebens. Der 52-Jährige ist kein Unbekannter in der Region und auch wir kennen uns seit vielen Jahren, freilich aus einem anderen Kulturzusammenhang: Mayer war gut zwei Jahrzehnte lang ein tragende Säule im Getriebe des Koblenzer Café Hahn, gewissermaßen der Hofmarschall dort. Jeder treuliche Hahn-Besucher kannte/kennt „den Rolf” – als einen Mann, der von der Schnittlinie zwischen Hintergrundlogistik und Publikumsverkehr aus stets beide Bereiche im Blick und viele Fäden in der Hand hatte.

Stadthalle Boppard nimmt wieder Fahrt auf

30 Jahre beste Kammermusik fürs ganze Land

Im Gespräch mit Alexander Hülshoff, seit 2011 künstlerischer Leiter der Landestiftung Villa Musica
Von Andreas Pecht

 

Alexander Hülshoff, Cellist und künstlerischer Leiter der Villa Musica.Vor fünf Jahren blickte ein Artikel an dieser Stelle auf ein Vierteljahrhundert „Villa Musica” zurück und würdigte die Bedeutung der Landesstiftung für die Musikkultur in Rheinland-Pfalz. Damals hatte gerade Klaus Arp die künstlerische Leitung der Institution an Alexander Hülshoff abgegeben. Über ihn hieß es im seinerzeitigen Text: „Der in der Pfalz aufgewachsene Cellist markiert eine Verjüngung der Villa Musica aus den eigenen Reihen heraus: Hülshoff war einer ihrer allerersten Stipendiaten und machte seinen Weg als gefragter Solo-Cellist, Kammermusik-Partner und Professor der Folkwang-Universität in Essen. Er wird auf dem Bisherigen aufbauend auch eine neue Handschrift einbringen wollen.” Ein halbes Jahrzehnt später bin ich mit dem heute 47-jährigen Hülshoff in Schloss Engers verabredet – um im Gespräch zu ergründen, wie sich diese Handschrift ausgewirkt hat.

30 Jahre beste Kammermusik fürs ganze Land
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