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Vor den Stadttoren verrecken die Wälder

Quergedanken - von Andreas Pecht Quergedanken im Oktober 2020 von Andreas Pecht

 

Städter sind bisweilen blind für die Phänomene der regionalen Natur. Wiese ist für sie nur Wiese, Acker Acker, Wald Wald. Vom Getier erfreuen sie die Vögel, ihr Verhältnis zu Insekten ist gespalten und Wildschweine machen ihnen vom bloßen Hörensagen schon Angst – auch wenn sie nie mit freien Schwarzkitteln konfrontiert wurden/werden. Freund Walter ist so ein blinder Stadtmensch. Ihn muss man beim Spaziergang durch Wald und Flur stets mit der Nase aufs Interessante stoßen, von alleine bemerkt er herzlich wenig.

Vor den Stadttoren verrecken die Wälder

Tragt eure Masken mit Stolz!

Quergedanken im September 2020 von Andreas Pecht

 

Freund Walter meint angesichts der Überschrift: „Übertreibst du nicht etwas?" Keineswegs, mein Lieber. Ich sage ja nicht: Habt Spaß am Schnuffeltuch. Das wäre abwegig. Denn natürlich lebte es sich ohne Maske wesentlich angenehmer und einfacher (auch wenn die Maskierung durchaus nette Nebeneffekt hervorbringt: Der Blickkontakt zum Gegenüber ist intensiver; man hat stets gleich ein Gesprächsthema; so manch ein/e Schüchterne/r findet flotter Anschluss; man ist nicht mehr so schutzlos den Feuchtsprechern und Maulstinkern ausgeliefert ....). Es geht mir bei „Stolz" um etwas anderes:

Tragt eure Masken mit Stolz!

Die Liebe in Zeiten von Corona

Quergedanken im Juli 2020 von Andreas Pecht

 

Es gibt Leute, die stellt das Corona-Reglement vor ein recht spezielles Problem. Dazu gehören Jugendliche und Singles. Das Problem: Woher in diesen Zeiten die Gelegenheiten nehmen zu jenen Begegnungen, Plaudereien, Spielchen, Tänzchen, derer es bedarf, wechselseitige Sympathien zu entwickeln, die mit der Zeit oder alsbald in leibeslüstlicher, womöglich auch herzentflammter Zweisamkeit enden? Freund Walter könnte von dieser Malaise einen Betroffenenbefund abgeben, würde er nicht von Tag zu Tag unruhiger und miesepetriger um sich selbst tigern.

Die Liebe in Zeiten von Corona

Denn sie wissen (nicht), was sie tun

Quergedanken im Juni 2020 von Andreas Pecht

 

Es gäbe ja wirklich Wichtigeres. Aber da das ganze Land sich über diese „Hygienedemos" aufregt, habe ich mir das Phänomen mal genauer angeschaut. Nach Betrachtung von Reden und Botschaften dort, von Presse- und Augenzeugenberichten darüber, komme ich zu dem Ergebnis: Politisch macht mir diese konfuseste „Bewegung" der Nachkriegsgeschichte keinen so argen Kummer, epidemiologisch indes größte Sorgen. Ihr einziger gemeinsamer Nenner beruht auf einem Irrtum bzw. einer Lüge, die von der Realität im Ganzen wie individuell jederzeit unangenehm spürbar aufgeklärt werden kann: Sars-CoV-2 existiere gar nicht oder sei völlig harmlos.

Denn sie wissen (nicht), was sie tun

In der Not lasst uns singen: Andrà tutto bene

neue Quergedanken im April 2020 von Andreas Pecht

 

Liebe Mitmenschen, dies schreibe ich am 22. März im Jahre Corona. Da konferieren Kanzlerin und Ministerpräsidenten gerade per Videokonferenz über die nächste Stufe der Maßnahmen gegen die Seuche. Man darf davon ausgehen, dass die deutschlandweite Ausgangssperre kommt, wenn nicht heute, so wohl bald. Es wird nicht der letzte Schritt sein. Gestern hat Italien alle Fabriken geschlossen, die keine lebenswichtigen Produkte herstellen. Auch das wird nicht auf Italien beschränkt bleiben.

In der Not lasst uns singen: Andrà tutto bene

Schenk mir doch ein kleines bisschen Stille

entfallene Quergedanken im April 2020 von Andreas Pecht

 

Den nachfolgenden Text hatte ich am 1./2. März 2020 geschrieben. Mit ihm sollte meine Kolumne "Quergedanken" für den Monat Arpil bestückt werden. Damals - vor drei Wochen - war Corona noch eher ein leises Rumoren am Horizont und erschien ein Beitrag über den Normalzustand der modernen Zeit durchaus vertretbar. Am 16. März haben dann der Herausgeber des mittelrheinischen Magazins "Kulturinfo" und ich entschieden, diesen Beitrag in die Tonne zu treten. Grund: Inzwischen hatte das Virus auch hierzulande Stund' um Stund' Normalitäten ausgehebelt. Frappierender Zufall obendrein: Mein Text wünscht sich ausgerechnet etwas, was das Virus nun quasi im Vorbeigehen erzwingt - mehr Stille, mehr Ruhe. Bevor morgen die neu geschriebenen Corona-"Quergedanken" 181 (b) erscheinen, sei hier der Ersttext zur Kenntnis gebracht. Auf dass er nicht einfach so im Müll verschwinde.

Schenk mir doch ein kleines bisschen Stille

Winter ade?

Quergedanken im März 2020 von Andreas Pecht

 

Freund Walter hat soeben den Winter 2019/2020 für beendet erklärt. Genau sagte er: „Ist ausgefallen, hat nicht stattgefunden. Wie schon der letztjährige. Jedenfalls, aber keineswegs nur, in unseren südwestdeutsch-rheinischen Breiten." Dieser Text entsteht Mitte Februar, weshalb ich einwende: Mal langsam, mein Lieber, da kann noch was kommen. Worauf er die Augenbrauen hochzieht und blafft: „Könnte viel nicht mehr sein, denn Anfang April wird bereits wieder Hochsommer ausbrechen. Falls nicht, trete ich zurück."

Winter ade?

Ei, wer will denn da Verbote verbieten?

Quergedanken im Februar 2020 von Andreas Pecht

 

Babylons König Hammurapi I. war fast 2000 Jahre vor Christi Geburt einer der ersten, der ein Gesetzeswerk für sein Reich erließ. Gebote, Verbote, Regeln wurden, mitsamt Strafmaß bei Zuwiderhandlung, per Keilschrift in Stein gemeißelt. Etliche der darin enthaltenen Vorschriften erschienen sogar dem lieben Gott so sinnvoll für das Zusammenleben der Menschen, dass er sie nachher dem Moses in den Dekalog diktierte. Aus diesen Zehn Geboten entwickelten sich im Verbund mit Rechtsnormen keltisch-germanischer und griechisch-römischer Ursprünge unsere Rechtssysteme späterer Epochen. Manche besser, manche schlechter, steht im Zentrum aller, auch der liberalsten, das Prinzip des Verbots.

Ei, wer will denn da Verbote verbieten?

Wunderwelt der modernen Technik

Quergedanken im Januar 2020 von Andreas Pecht

 

Bisweilen werde ich als Technikfeind gescholten. Da liegt ein Missverständnis vor. Auf Waschmaschine und Geschirrspüler, Rasenmäher und Kettensäge, Radio, TV und Computer mag ich nicht mehr verzichten. Denn einige Geräte liefern bessere Ergebnisse als der Handbetrieb. Andere entlasten von stumpfsinnigen Tätigkeiten und schaffen Zeit für Sinnvolleres. Wieder andere versorgen dich mit Information und Unterhaltung oder bieten Kanäle zur Kommunkation.

Wunderwelt der modernen Technik

Gretchenfrage: Wie hältst du es mit Weihnachten?

Quergedanken im Dezember 2019 von Andreas Pecht

 

Doch ja, ich mag Traditionen. Ein paar zumindest. Am liebsten jene, die alle Jahre wieder gute Laune, gemütliche Plauderrunden nebst ordentlich Speis' und Trank in die Bude bringen. Und bei denen ich sicher sein kann, dass sie auch diesmal so angenehm ablaufen wie in vielen Vorjahren. Weshalb ich nicht begreife, warum manche Leute und Familien stets aufs Neue versuchen, Weihnachten, Ostern, Silvester, Kirmes etc. zu feiern. Denn es gibt da reichlich Zeitgenossen, bei denen alljährlich außer Stress, Muffigkeit, gar Zankerei wenig rumkommt. Soziologisch ist das ein altbekanntes Phänomen: Nirgends wird mehr gestritten als bei familiären Festen und unterm Weihnachtsbaum.

Gretchenfrage: Wie hältst du es mit Weihnachten?

Schlachten wir endlich unsere heilige Kuh?

Quergedanken im November 2019 von Andreas Pecht

 

„Das gibt Ärger", meint Walter, als er sieht, worauf mein Text hinausläuft. Wieso? Es geht doch bloß um eine winzige Ergänzung der Straßenverkehrsordnung, die niemanden einen Penny kosten, aber allen Geld einsparen würde. „Du bist naiv", entgegnet der Freund. „Das ist doch bei uns fast wie mit den heiligen Kühen in Asien. Die sind Gegenstand religiöser Verehrung und dürfen deshalb alles: Fußgängern und Radlern dumm im Weg rumstehen, auf Straßen die gefährlichsten Manöver vollführen, ihre Ausscheidungen überall ablassen."

Schlachten wir endlich unsere heilige Kuh?

Brummgedöhns im himmlischen Zwischendeck

Quergedanken im Oktober 2019 von Andreas Pecht

 

Freund Walter hat ein neues Hobby: Schießen. Genauer: Er schießt Pfeile und schleudert Steine in die Gegend. Noch genauer: Er nimmt die Wolken unter Beschuss. Dabei gibt er jedoch als nur spärlich muskelbepackter Achilles ein recht lachhaftes Bild ab. Eigentlich wäre ihm auch ein Kampftraining lieber, bei dem er mit doppelläufiger Schrotflinte gegen Tontauben antritt. Doch mangels diesbezüglicher Gelegenheit ist er eben bei Flitzebogen und Zwille, also den Waffen seiner Kindheit, gelandet.

Brummgedöhns im himmlischen Zwischendeck

Man sollte öfter mal bekloppt sein

Quergedanken im September 2019 von Andreas Pecht

 

Doch ja, ich mag Leute mit Spleen, Marotte, Schrulle, die nicht dem entsprechen, was man gemeinhin für normal hält. Zumindest sofern sie mir damit nicht missionarisch auf den Keks gehen oder Mitmenschen und Allgemeinheit Schaden zufügen. Weshalb für mich der sympathischste Zug an Horst Seehofer seine Vorliebe für das Spielen mit der Modelleisenbahn ist. Das stört niemanden, tut keinem weh – hat aber was, weil heute so selten geworden. Ein ähnlicher Fall war meine verstorbene Nachbarin. Die alte Dame kannte noch Anfang des 21. Jahrhunderts kein größeres Glück als die Gartenzwerge rund um ihr Haus. Ich fand den Kitschkrempel furchtbar. Aber wenn die Frau mir strahlend einen Neuerwerb präsentierte oder zum x-ten Mal die Herkunftsgeschichte eines Zwergveteranen erzählte, hatte ich richtig Freude an ihrer Freude. Dass es ihr obendrein bei diesem Thema völlig egal war, ob die übrige Welt sie für bekloppt hält, hat mir imponiert.

Man sollte öfter mal bekloppt sein

On the road again

Quergedanken im August 2019 von Andreas Pecht

 

Allmählich bin ich es richtig leid. Je mehr Autos unterwegs sind, umso häufiger muss ich beim Waldspaziergang in den Straßengraben springen. Denn leider gehören zu meiner Hausrunde im Westerwald 300 Meter Landstraße. Alle Nase lang fahren Autos dort so dicht an mir vorbei, dass von „vorbei" nur die Rede sein kann, wenn ich ins Gestrüpp hüpfe. Leider nimmt auch der Verkehr noch immer zu, obwohl auf 56 Millionen Führerscheininhaber im Land bereits 48 Millionen Autos kommen. Vor 25 Jahren dachte ich, die PKW-Vermehrung würde ein Ende haben, sobald es pro zwei Bürger ein Fahrzeug gibt. Das war ein Irrtum. Es wird wohl keine Ruhe einkehren bis rechnerisch zu jedem Erwachsenen ein Automobil gehört. Zu Abermillionen PKW gesellen sich drei Millionen hierzulande zugelassene Brummis, die zusammen mit fünf Millionen LKW aus aller Herren Länder Autobahnen verstopfen und an Rastplätzen zum Stellungskrieg auffahren. Weitere 50 % LKW-Zuwachs sind bis 2030 prognostiziert. Wo die fahren sollen, geschweige pausieren, weiß kein Mensch. Doch erfahrungsgemäß folgt dem Wachstumsglück ja bald „verkehrspolitischer Pragmatismus": Noch mehr Fläche asphaltieren – weg mit Wald und Wiesen.

On the road again

Oh Mensch, du Gewohnheitstier

Quergedanken im Juli 2019 von Andreas Pecht

 

Wir nennen uns Homo sapiens, „vernünftiger Mensch". Eingeleuchtet hat mir das nie. Denn angesichts der Zivilisationsgeschichte bleibt eigentlich nur der Befund: Seit der Mensch sesshaft geworden ist und in hierarchischen Gesellschaften lebt, wird er hauptsächlich von Unvernunft getrieben. Der Oberen liebste Steckenpferde waren immer Ausweitung der eigenen Herrschaftssphäre, Auspressen der Unteren und dass diese einander totschlagen in endloser Abfolge von Kriegen. Ist das etwa vernünftig?

Oh Mensch, du Gewohnheitstier

Strohdumm, aber brandgefährlich

Quergedanken im Juni 2019 von Andreas Pecht

 

„Aha, die Nationalisten kriegen Prügel", freut sich Walter, als er die Überschrift sieht. Ich winke ab: „Nö. Das tät zwar aktuell passen, aber ich hab's diesmal mit der Zukunft. Und da spielt die Bagage der Umvolkungs-Krakeeler keine Rolle." Jetzt glotzt der Freund, japst nur noch „häh?". Etlichen Lesern*innen mag es ähnlich ergehen angesichts der Renaissance, die die Nationalreaktionäre in vielen Ländern erleben. Weshalb kurz erklärt sei: Ich bin fest überzeugt, dass das nationalistische Feuerwerk eine vorübergehende Erscheinung ist, ein letztes Aufbäumen gegen die unausweichliche Internationalisierung und Multikulturalisierung aller Gesellschaften auf Erden.

Strohdumm, aber brandgefährlich

Demonstrieren UND wählen? Passt!

Quergedanken im Mai 2019 von Andreas Pecht

 

Am 26. Mai steht uns ja ein kollektiver Sonntagsausflug ins Haus. Zwar wird in den Einkehrlokalen das Angebot etwas spartanisch ausfallen – es stehen nur Papier und Schreibstift auf der Karte. Doch bleibt den Rheinland-Pfälzern als Trost: Uns wird, im Verhältnis zu manch anderem Bundesland, die doppelte Menge Papier serviert. Kurzum: Der 26. Mai ist ein Wahl-Sonntag; hierzulande sogar ein Doppelwahl-Sonntag. Ergo: Trotz mäßigen Angebots in den Lokalen ist ein jeder aufgerufen, sie heimzusuchen und seine Kreuzchen zu machen. Also rafft euch auf, ihr Frauenzimmer und Mannen! Wählt das europäische Parlament, wählt auch die Parlamente eurer Städte und Dörfer – aber wählt kein braunes Gesocks!

Demonstrieren UND wählen? Passt!

Latrinen aller Geschlechter vereinigt euch!

Quergedanken im April 2019 von Andreas Pecht

 

Ehrlich, ich halte es für logisch, dass es etliche Geschlechter über die klassischen drei hinaus gibt. Frauen, Männer und Zwitter kennen wir seit Menschengedenken, weil deren Geschlechtsmerkmale meist auch äußerlich sind. Dass es daneben weitere geschlechtliche Möglichkeiten geben muss, war mir klar, seit ich in der Schulzeit begriffen hatte: Innendrin in Körper und Gehirn existiert ein gewaltiges vielgestaltiges, aber fürs Auge unsichtbares Universum. Darin laufen Billionen mikrobiologischer Prozesse ab, verbunden mit Milliarden von Weichenstellungen, die so oder so mit dem sozialen Leben verkoppelt sind und so, so oder ganz anders ausgehen können.

Latrinen aller Geschlechter vereinigt euch!

Mit Schmackes: Helolaulaaf!!!

Quergedanken im Februar/März 2019 von Andreas Pecht

 

Doch, ja: Ich war mal begeisterter Fasenachter, Karnevalist, Jeck, oder wie ihr die Dollerei-Aktivisten nennen mögt. Ist lange her und hatte mit einem richtig ernsten Kinderwunsch zu tun. Endlich durfte ich mal äußerlich der werden, der ich in meiner Fantasie immer war: ein Indianer. Mit Federschmuck, Fransenanzug und Kriegsbemalung konnte ich für ein paar Tage der Umgebungsbagage die stolze Verachtung des Apachen entgegen schleudern; konnte dem knurzigen Nachbarn die Flinte unter die Nase halten und ihn mit einem „weißer Mann ist böser Mann" verknurren.

Mit Schmackes: Helolaulaaf!!!

Vorsatz für 2019: Gas wegnehmen

Quergedanken im Januar 2019 von Andreas Pecht

 

Eigentlich halte ich diese Sache mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr für Humbug. „'s kütt, wie's kütt", heißt es nach weiser Rheinländer-Art und meint: „Do steckste nit drin" oder „kahnste nix maache". Dies kaum hingeschrieben, fährt Freund Walter mir maulend in die Parade: „Quatsch! Das ist nicht Weisheit, sondern kölsche Thresen-Philosophie; von den Suffniks entwickelt, um weiter Kranz für Kranz ihres Labbergetränks ohne schlechtes Gewissen in sich hinein schütten zu können." Starker Tobak, Monseigneur; ausgerechnet von dir, der gerne selbst die Tassen hebt und der Devise folgt: Ich will mich nicht aufregen über Dinge, die sich nicht ändern lassen.

Vorsatz für 2019: Gas wegnehmen
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