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Fluffige Sommertage

Quergedanken im August 2013 von Andreas Pecht

 

Es gibt so Wörter, die gibt es offiziell gar nicht. Wenn viele Leute sie aber lange genug benutzen, gibt es sie plötzlich doch. „Fluffig“ ist so ein eigentümlich wunderbares Wort. In meinem jüngsten Duden (von 2006) steht es drin, im zerfledderten Vorgänger von 1996 fehlt es noch. Ich bin sehr glücklich, dass wir „fluffig“ haben, es auch schreiben dürfen, folglich mancherlei damit bezeichnen können, auch uns selbst so fühlen. Und was bedeutet es nun korrekterweise? Das ist das schönste an der Sache: Aufs i-Tüpfelchen genau weiß das wohl niemand. Spielt auch keine Rolle.

Fluffige Sommertage

Seilbahn-Torte mit Irrtümern

Quergedanken im Juli 2013 von Andreas Pecht

 

Potzblitz, da war vielleicht was gebacken neulich! Ein paar Tausend Mittelrheiner auf den Barrikaden. Prima, lobenswert. Wenngleich mir einige Umstände auch etwas seltsam vorkamen. In vorderster Front, schunkelnd und ein Karnevalslied schmetternd, die vereinigte Honoratiorenschaft. Vom Genossen Hofmann-Göttig tollkühn angeführt wie dereinst das Franzosenvolk von Marianne. Nur dass der Koblenzer OB die Jakobinermütze verschmähte und sich im Gegensatz zur Pariser Revolutionärin mit züchtig geschnürtem Leibchen in den Aufstand stürzte gegen – – – wen eigentlich?

Seilbahn-Torte mit Irrtümern

Zum 100. Mal das hier

Quergedanken im Juni 2013 von Andreas Pecht

 

Als neulich noch bittere Winterkälte herrschte, schnüffelte Freund Walter in meinem Archiv herum. Füsse am Ofen, auf dem Schoß das Laptop, spuckte er als Ergebnis seiner Recherchen aus: „Schon seit 2005 malträtierst du die Leute jeden Monat mit diesen Quergedanken-Dingern. Die Juni-Folge wird die 100. sein.“ Man hat ein Alter erreicht, da bergen solche Zählungen einen gewissen Schrecken: Verdammich, wie die Zeit verfliegt! Mir ist, als wäre ich eben erst vom festen Redakteursstuhl bei der Rhein-Zeitung aufgestanden, um mich ins freischaffende Journalistenleben zu stürzen. Tatsächlich liegt das schon gut acht Jahre zurück. Und der damals allererste Auftraggeber neben dem alten Stammblatt war das/die „Kulturinfo“.

Zum 100. Mal das hier

Europa, meine geplagte Heimat

Quergedanken im Mai 2013 von Andreas Pecht

 

Doch, ja: Ich bin für ein gemeinsames Europa. Unbedingt. Trotz allem. Und obwohl Brüssel mich ein ums andere Mal zur Weißglut treibt. Schon der 1957er Geburtsname macht einen irre. EWG, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft: eine Vereinigung bloß des Mammons wegen. Ein scheinbar völlig bekloppter Bürokratenverein, der den Krümmungsgrad von Gurken vorschreibt, Milchseen und Fleischberge subventioniert, neuerdings vor allem Banken. Das hat so rein gar nichts mit dem zu tun, weshalb ich mich seit Jugendjahren als Europäer fühle. Als einer, der erst am Neckar zuhause war, dessen Zuhause dann der Mittelrhein geworden ist – der zugleich musikalisch, literarisch, bildnerisch, philosophisch, kulinarisch, erst recht bei den Getränken und in der Liebe tief im europäischen Humus der Vielfalt wurzelt.

Europa, meine geplagte Heimat

Habemus - einen mordsmäßigen Zorn

Quergedanken im April 2013 von Andreas Pecht

 

16. März 2013, Samstagsfrühstück. Auf meinem Plan stand für diesen und den folgenden Tag: In aller Ruhe „Quergedanken“ abfassen und feinschleifen. Das in der Vorwoche entstandene Konzept sah nette Worte über den neuen Papst der Armen vor (Walter grient skeptisch). Dazu einige Sätze über das gut in die Landschaft passende Kultursommer-Motto „Eurovisionen“ (Walter nickt). Schließlich waren Anmerkungen geplant zum jüngsten Disput über die von mir lange vorhergesagte Verwässerung und schlussendliche Verdampfung der einst hehren Selbstverpflichtungen zum Wiederabbau der Koblenzer Seilbahn (Walter feixt bitter).

Habemus - einen mordsmäßigen Zorn

Greisenschleim und starke Frauen

Quergedanken im März 2013 von Andreas Pecht


Das hat jetzt gerade noch gefehlt: Da wirft mir einer(!) Sexismus vor. Ausgerechnet mir, der ich seit den frühen 1970ern meine Lektionen (bisweilen recht heftige) in Sachen Gleichberechtigung von Frauen erhalten habe, die Anmacher wie den schmalzsäuselnden Herrn Brüderle mit nur einem einzigen Blick vom Barhocker gefegt hätten. Gestandene Prachtfrauen, die nie Dämchen sein wollten, deshalb weder Tussi noch Gattenschatten wurden.

Greisenschleim und starke Frauen

Rheinische Wibbeligkeit

Quergedanken im Februar 2013 von Andreas Pecht


Jedes Jahr der gleiche Zirkus. Kaum zeichnen sich am kalendarischen Horizont die Fastnachtstage ab, wird Walter wibbelig. Der sonst in schier allen Lebenslagen zu Entschleunigung neigende Freund nimmt gestresste Züge an. In der Firma Urlaub beantragen und durchsetzen: von Schwerdonnerstag bis Aschermittwoch; inklusive selbstredend. Wägen und entscheiden: Soll die närrische Lustreise heuer eher in kölsche oder in määnzerische Gefilde gehen? Schleunigst dorten ein Hotelzimmer reservieren – obwohl er über die Jahre fast keines benutzte, weil ihm nach erwärmender Schunkelage meist anderweitig angenehme Gastfreundschaft zuteil wurde.

Rheinische Wibbeligkeit

Gebt ordentlich Trinkgeld!

Quergedanken im Januar 2013 von Andreas Pecht

 

Liebe Leser/innen, haben Sie den dienstbaren Geistern zu Weihnachten eine Anerkennung zukommen lassen? Falls nicht: nachholen! Silvester wäre passend, aber auch jeder sonstige Tag. Sie haben es verdient, die Müllwerker, Zeitungsausträger, Putzkräfte, Kinderfrauen, Altenversorger, Paketfahrer e tutti quanti. Ich bin kein Freund weihnachtlicher Geschenkpflichtorgien, aber das einst selbstverständliche „Trinkgeld“ für die meist hundsmiserabel bezahlten Dienstleistungsarbeiter/innen bleibt mir ein Anliegen.

Gebt ordentlich Trinkgeld!

Mal was Schönes, bittesehr

Quergedanken im Dezember 2012 von Andreas Pecht

 

Gelegentlich wünschen Leser, der Herr Querdenker möge sich mal mit diesem oder jenem speziellen Thema befassen. Jenseits des oft parteilichen Begehrs, er solle diversen Politikern, Mächtigen, Reichen wortgewaltig vors Schienbein treten, geht wiederholt der Wunsch ein: „Sei nicht immer so miesepetrig, die Welt hat unendlich viele schöne Seiten, schreib doch mal darüber!“ Dann fühle ich mich missverstanden. Denn die Welt war nie mein Problem, allenfalls die sie gedankenlos oder geldgeil verunstaltende Oberschlaumeier-Spezies.

Mal was Schönes, bittesehr

Wer ist denn da meschugge?

Quergedanken im November 2012 von Andreas Pecht

 

„Der Alte vom Berg grantelt schon wieder, weil das 20. Jahrhundert vorbei ist“: So oder ähnlich reagierten selbst mir sonst wohlgesonnene Mitmenschen auf die Reserviertheit gegenüber Smartphones und ihrer penetranten Dauernutzung in der Oktober-Querdenkerei. Liebe Leut‘, muss denn jeder gleich ein weltfremder, gestriger Kauz sein, dem es bei so manchem neumodischen Kram an spontan bedenkenlosem Entzücken mangelt? Gewiss war früher nicht alles besser. Aber ebenso gilt halt: Nicht alles Neue ist automatisch gut.

Wer ist denn da meschugge?

Smartphone-freie Zone

Quergedanken im Oktober 2012 von Andreas Pecht

 

Seit Wochen kriege ich zwei Sätze nicht aus dem Kopf, die mir beim Zeitungslesen zwischen die Füße gefallen sind. Der erste geht so: „Die Kasse muss stimmen, aber zu viel rechnen macht schlechte Laune.“ Das scheint mir eine kluge Haltung bei allen Geldfragen zu sein und dem Finanzsektor die angemessene Bedeutung zuzuweisen. Hieße etwa für die Renten- und Lohndiskussion: Schluss mit der dämlichen Zuschuss- und Ergänzungs-Rechnerei! Auskömmliche Löhne und Grundrente für alle, basta! Der zweite Satz prickelt in seiner weisen Schlichtheit ähnlich angenehm durchs Hirn: „Ich bin nicht gegen diese Maschinchen, aber ich selbst benutze keines.“ Gemünzt war der Ausspruch auf Handys und Smartphones.

Smartphone-freie Zone

Mal unter uns Sportsfreunden

Quergedanken im September 2012 von Andreas Pecht

 

Habt Ihr Olympia geguckt? Oder hieltet Ihr es wie Walter? Der zeigte den Spielen die kalte Schulter, schimpfte sie „geldgeile, nationalchauvenistische Leistungszuchtschau im Gewand edler Olympikidee“. So ganz falsch liegt er nicht, übertreibt aber wohl etwas. Jedenfalls traktierte der Freund mich tagelang mit ätzenden Spitzen, denn ich habe Olympia geguckt. Sogar mit Vergnügen – obwohl  reichlich Vorschusslorbeer für deutschländische Favoriten vorzeitig vertrocknete: abgesoffen die Kampfschwimmer, abgestochen die Schwertrecken, schieläugig die Schützeninfanterie, vergaloppiert die Kavallerie.

Mal unter uns Sportsfreunden

Liebe Grüße aus Urlaubien

Quergedanken im August 2012 von Andreas Pecht

 

Eigentlich habe ich nicht die geringste Lust, jetzt diese Kolumne zu schreiben. Denn eigentlich bin ich seit drei Tagen im Urlaub. Nein, der Autor sitzt keineswegs mit Laptop vor sich in einer fernen Strandbar oder auf einer Hotelterrasse. Nein, er stiert nicht mit dösigem Blick in die Weinkaraffe respektive dusselig versonnen den Bikinischönheiten hinterdrein. Er hockt stattdessen am gewohnten Schreibtisch – und klaubt die letzten Gedankenzuckungen zusammen, bevor das Hirn vollends und für drei Wochen in wohliger Trägheit versinkt. Dann nämlich mache ich, was man gemeinhin „Urlaub auf Balkonien“ nennt. Allerdings hat unser Haus gar keinen Balkon, nur Wiese und Büsche drumrum. Aber „Urlaub in den Büschen“ kann man schlecht sagen, klingt ein bisschen anrüchig.

Liebe Grüße aus Urlaubien

Fortschrittsmärchen

Quergedanken im Juli 2012 von Andreas Pecht

 

Klar, ältere Herrschaften können jüngeren auf den Keks gehen mit ihrem Schwärmen, die Welt sei vor ein paar Jahrzehnten schöner, besser, vernünftiger gewesen. Oft entpuppt sich das als nostalgische Schönfärberei oder verbiesterte Altersgrantelei. Nein, früher war nicht alles besser. Aber: Einiges eben doch. Das fällt dem besonders auf, der Entwicklungen in den letzten 20 Jahren mit bundesrepublikanischen Zuständen der 1970er/80er vergleichen kann. Weshalb Typen wie mir (Jahrgang 1955) so schnell die Galle hochkommt angesichts lauten Fortschrittsgetrommels – für in Wahrheit erbärmliche Rückschritte.

Fortschrittsmärchen

Die Kunst des Geblubbers

Quergedanken im Juni 2012 von Andreas Pecht

 

Kompetent, führungsstark, überzeugend, obendrein authentisch, menschlich, sympathisch: So werden heute Heldenfiguren im Theater namens Politik definiert. Problem: Alle wollen nur derartige Rollen spielen, keiner mag den Verzweifelten, Bösewicht oder Deppen geben. Ergebnis: Sämtliche Mitspieler drängeln an der Bühnenrampe herum, um bella figura zu mimen und sich gegenseitig auszustechen. Im wirklichen Theater wäre das Publikum davon zu Tode gelangweilt, in der echten Politik – ist es genauso. Nur merken es die Akteure dort nicht; oder sie merken es, können aber nicht aus ihrer Haut.

Die Kunst des Geblubbers

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